
Seeds of Friendship: Ein interkulturelles Projekt zur Förderung der Agrarökologie
Im Januar 2022 erreichte die Studierenden der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ein Aufruf von Prof. Dr. Heike Walk. In ihrer Mail bezog sie sich auf den Austausch mit ehemaligen Kolleg*innen von der Universität von Sancti Spiritus (UNISS) in Kuba und die sich durch Covid und den Krieg in der Ukraine verschärfende Ernährungssituation im Land. Ihre Vision war es, eine Gruppe in Eberswalde zu formieren, um im Rahmen einer studentischen Initiative den akademischen Austausch und Wissenstransfer im Bereich des nachhaltigen Land- und Gartenbaus zu fördern.
Seeds of Friendship entstand durch interkulturelle Zusammenarbeit
Dem Aufruf folgten zunächst etwa 40 Interessierte, die sich schließlich auf eine Gruppe von rund 14 Studierenden verschiedener Fachbereiche und einem Gärtner, von der KARUNA e.G aus Berlin, reduzierten. Diese Gruppe entwickelte in mehreren Workshops und vielen Onlinemeetings Ideen und Konzepte für einen Arbeitseinsatz in Kuba. Ende November kam dann die Zusage für verschiedene Förderungen, was gleichzeitig der Startschuss für die heiße Phase der Planungen war.
Freundlicher Empfang in Kuba
Anfang Januar 2023 trat eine Reisegruppe aus sieben Studierenden der HNEE, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter und Experten für Bodenkunde Dr. Florent Jouy sowie dem Neuköllner Stadtgärtner Thomas Jahn, die Reise nach Kuba an. Mit gut 300 kg Materialspenden, darunter Schaufeln, Harken, Scheren, Saatgut und Laptops, ging es los. Nach einer ersten Zusammenkunft in Havanna reisten wir weiter nach Sancti Spiritus, wo wir herzlich von der kubanischen Partner-Gruppe empfangen wurden.
Agrarökologie als Antwort auf die Krise im Ernährungssystem von Kuba
Vor Ort wurden wir offiziell durch Vertreter*innen der UNISS begrüßt und erfuhren mehr über die komplexe und schwierige Ernährungssituation in Kuba. Die Wirtschaftssanktionen der USA sowie die Folgen der Pandemie und des Krieges in der Ukraine haben zu erheblichen Engpässen bei Lebensmitteln geführt. Das kubanisch-deutsch Projektteam sollte sich eingehend mit der Situation befassen und gemeinsam nach nachhaltigen Auswegen forschen.
Urban Gardening im Organopónico
Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die Arbeit im Universitäts-Forschungsgarten, einem für Kuba typischen Organopónico. Diese urbanen Gärten sind landesweit verbreitet und spielen eine wichtige Rolle bei der Ernährungssicherung der Bevölkerung. Die UNISS möchte ihren Organopónico verstärkt für Experimente und die Versorgung der eigenen Mensa nutzen. Gemeinsam mit den kubanischen Partner*innen arbeitete die Gruppe an mehreren praktischen Projekten, bspw. an der Installation einer Tröpfchenbewässerung oder der Aufbereitung der Beete mit Humus und Mulch.
Interkulturelle Zusammenarbeit fördert Innovation
Die Zusammenarbeit zwischen der kubanischen und deutschen Gruppe führte zu zahlreichen innovativen Ansätzen. Neben einer Mulch- und Flaschenbewässerung für Baumstecklinge, wurde beispielsweise auch der Name für das Projekt entwickelt: „Semillas de Amistad “ zu deutsch Saatgut der Freundschaft (später wurde sie in „Seeds of Friendship“ umbenannt um dem internationalen Charakter noch mehr ausdruck zu verleihen). Zudem beeindruckte die Forschung zu landwirtschaftlicher Sensortechnik seitens der kubanischen Teammitglieder die deutschen Studierenden sehr.
Ökologische Nachhaltigkeit durch gelebte Permakultur in Kuba
Eine Exkursion zur Permakultur-Farm „Finca del Medio“ zeigte eindrucksvoll, wie nachhaltige Landwirtschaft in Kuba und anderswo funktionieren kann. Die Farm erzeugt viele unterschiedliche Lebensmittel für den Eigenbedarf sowie eine kleine direkte Vermarktung. Der benötigte Strom wird autark vor Ort aus Sonne und Biomasse gewonnen und das Wasser aus einem selbst angelegten Stausee genutzt – ein Modell für zukunftsfähige Agrarökologie.
Aus der Initiative wird das Projekt Conpónico mit Zukunftsvision geboren
Am Ende des Aufenthalts waren alle Beteiligten beeindruckt und dankbar für das Erlebte und gemeinsam Erreichte. Das Projekt Seeds of Friendship hat nicht nur praktische Ergebnisse hervorgebracht, sondern auch viele neue Freundschaften geschlossen und wertvolle Erfahrungen vermittelt. Und so kam eine Delegation der UNISS bereits wenige Monate später zu einem Gegenbesuch nach Eberswalde, um den Austausch fortzusetzen.
Mit den Erfahrungen aus diesem Besuch in Kuba entschieden sich die Teilnehmer*innen nach der Rückkehr gemeinsam mit den Freunden aus Sancti Spíritus dazu das Projekt Seeds of Friendship fortzusetzen und entwickelten die Idee zu einem ConPónico.
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